Buddhismus.
Die Entfaltung unseres vollen Potenzials.

Was ist „Buddhismus“ eigentlich? Diese Frage beschäftigt viele Menschen, die auf der Suche nach alternativen Lebens- und Wertemodellen früher oder später auf diese 2500 Jahre alte Tradition stoßen – und oft verlangt diese Frage nach einer klaren Antwort, bevor wir uns wirklich auf etwas einlassen können, das zunächst die graue, angestaubte und oft sehr negativ besetzte Konnotation einer „Religion“ trägt. Noch dazu eine „Religion“ aus einem ganz anderen Kulturkreis, der nicht nur geographisch, sondern auch ganz praktisch ziemlich weit von unserem Alltag entfernt ist.

Aber was ist Buddhismus denn nun? Eine Religion? Oder eher eine Philosophie?

Wenn wir unser westlich geprägtes Verständnis von Religion anlegen, zeigt sich schnell, dass der Buddhismus sich in einem zentralen Punkt von allen großen Religionen unterscheidet: Während alle diese großen Religionen – Christentum, Islam, Judentum und Hinduismus – den Glauben an einen oder auch mehrere Schöpfergötter als integralen Bestandteil ihres Weltbilds hervorheben, misst die buddhistische Lehre der Frage nach der Existenz oder auch Nicht-Existenz solcher Wesen keine besondere Bedeutung bei. Stattdessen steht die Frage im Mittelpunkt, wie wir nachhaltig Leiden überwinden und positive Geisteszustände kultivieren können.

Ist Buddhismus dann also eher eine Philosophie? Philosophen versuchen schließlich, aus „Liebe zur Weisheit“ die Welt und die menschliche Existenz – also auch Phänomene wie Freude und Leid – besser zu verstehen. Wenn wir aber genauer hinschauen, stellen wir fest, dass viele philosophische Ansätze bei ihrer Erforschung der Welt transzendente, also über unsere normale Sinneswahrnehmung hinausgehende Erfahrungen nicht berücksichtigen. Der Buddha war allerdings sehr deutlich in seiner Aussage, dass die Erfahrung von Erleuchtung weit über unsere momentanen Sinneswahrnehmungen hinausgeht und selbst unsere Vorstellungskraft transzendiert.

Weder Religion noch Philosophie – aber was dann?

Um ein besseres Verständnis dessen zu entwickeln, was wir Buddhismus nennen, wenden wir uns also am besten der Beschreibung zu, die der Buddha selbst genutzt hat. Ihm – wie auch allen anderen Buddhisten bis ins 20. Jahrhundert hinein – war der Begriff „Buddhismus“ völlig fremd und wenn jemand seine Lehre so beschrieben hätte, hätte der Buddha wahrscheinlich vehement widersprochen. Der Begriff, den er stattdessen benutzte, war „Dharma“, ein Wort, für das es keine klare Übersetzung ins Deutsche gibt, das aber oft als „Gesetz“ oder „Ordnung“ übersetzt wird – und damit einfach beschreibt, wie die Dinge wirklich sind.

Buddhismus beschreiben wir also am besten als einen Weg oder Pfad, den wir beschreiten, um uns Schritt für Schritt weiterzuentwickeln, unser Potenzial voll zu entfalten und schließlich die Dinge so zu sehen, wie sie wirklich sind. Jede und jeder von uns kann diesem Pfad folgen, ihn für sich selbst durch praktische Methoden wie Meditation und Reflexion entdecken und diese Erfahrungen wiederum mit Freunden teilen, die sich ebenfalls dafür interessieren, diesen Pfad zu beschreiten. So übernehmen wir mehr und mehr Verantwortung für unser Leben, unser Handeln und dessen Folgen – und finden letztendlich selbst heraus, was Buddhismus ist.

 

Weitere Infos

Zum Hören:

Vortrag „Zufluchtnahme zu den drei Juwelen“ von Bodhimitra, Leiter des Buddhistischen Zentrums Arnsberg und Mentor der Buddhistischen Gemeinschaft Gelnhausen.

Zum Lesen:

Sangharakshita – Buddhistische Praxis
Sehr gut geeignet zum Einstieg. Erhältlich in unserem Buchladen vor Ort.